Lieferschwierigkeiten in Großbritannien wegen Brexit

Die Furcht vor dem EU-Austritt lässt den Wechselkurs fallen. Jetzt will der Konsumgüterriese Unilever deshalb die Preise nach oben setzen.

Knapp vier Monate nach dem Brexit-Votum der Briten bringt der bevorstehende EU-Austritt die Supermarktketten auf der Insel in Bedrängnis. Der Marktführer Tesco nimmt Dutzende von Produkten des niederländisch-britischen Konsumgüterriesen Unilever aus dem Sortiment seines Online-Verkaufs. Darunter ist auch der auf britischen Frühstückstischen populäre Brotaufstrich Marmite.

Als Grund für den überraschenden Verkaufsstopp nannte Tesco „Verfügbarkeitsprobleme“. Man hoffe, dass die Lieferschwierigkeiten rasch ausgeräumt würden. In den Tesco-Geschäften sind die Unilever-Produkte bisher weiter verfügbar.

Hintergrund des Nachschubproblems ist ein erbitterter Preiskampf, der indirekt auf den bevorstehenden Brexit zurückzuführen ist: Der Lieferant Unilever fordert von Tesco und anderen britischen Lebensmittelhändlern Preisaufschläge, denn die Furcht am Devisenmarkt vor dem Brexit hat den Pfundkurs stark fallen lassen.
Tesco will das nicht akzeptieren

Viele Nahrungsmittel in britischen Regalen werden jedoch aus dem Ausland importiert. Um Erlöseinbußen abzufedern will Unilever nun die Wechselkursverluste an den Handel weiterreichen. Medienberichten zufolge sollen die Einkaufspreise für britische Supermarktketten um zehn Prozent nach oben gesetzt werden. Tesco will das nicht akzeptieren.

Unilever selbst nennt keine Zahlen. Finanzvorstand Graeme Pitkethly sagte jedoch, die geforderten Preiserhöhungen entsprächen den normalen Geschäftspraktiken des Konzerns und seien „deutlich niedriger“ als eigentlich notwendig wäre um die eigenen Einbußen durch das schwache Pfund voll auszugleichen.

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